Leseprobe aus dem Humor-Band
'Mein Freund Zimmermann'

SELTSAME GERÄUSCHE


Wieder Rätsel um meinen Freund Zimmermann. Merkwürdige Geräusche dringen aus seinem Haus. Einige seiner Nachbarn haben mich darauf angesprochen.
Fürchterliche, entsetzliche Geräusche!“
So die Klage einer Frau.
Unsere Kinder fürchten sich,“ eine Andere.
Als ob eine arme Kreatur gequält würde; ein Tier oder gar ein Mensch,“ wirft der Ehemann der ersten Nachbarin ein. -- „Einfach schrecklich!“
Wie meine Frau, wenn ihr das Essen angebrannt ist,“ spottet ein Weiterer und späht vorsichtig über die Schulter. Seine Frau hat es nicht gehört.

Seit einigen Tagen gehe es bereits so. Ob Zimmermann sich neuerdings ein Haustier hielte. Einen Wolf - oder einen Ameisenbären. ...? Mir ist nichts bekannt.
Auf mein Klingeln wird mir nicht geöffnet. Er scheint ausgegangen zu sein. Mein Besuch war auch nicht so wichtig. Bis jetzt zumindest...!

Ich fahre wieder nach Hause. Merkwürdige Geschichte! Doch bald habe ich es wieder vergessen.
Meine Arbeit nimmt mich zu sehr in Anspruch und verlangt meine ganze Konzentration. Außerdem gibt es ja schließlich immer irgendeine Aufregung um Zimmermann.

In den nächsten beiden Wochen komme ich sehr wenig aus dem Haus - und als mir Zimmermann nach Ablauf dieser vierzehn Tage telefonisch mitteilt, dass er für acht Tage nach Bayreuth fahren wird und mich bittet, in seiner Wohnung hin und wieder nach dem Rechten zu sehen, erinnere ich mich mit keinem Gedanken mehr an diesen Vorfall.
Ich denke nur daran, dass diese Zimmermann’sche Reise mir acht Tage der relativen Ruhe verspreche.
Keine nächtlichen Anrufe mehr: „Ich habe geträumt, ich hätte meinen Fahrradschlüssel verloren. -- Kannst du dir das vorstellen? -- Was kann das wohl zu bedeuten haben ?“
....Oder Ähnliches.

Ich habe mich getäuscht. ... Auch in Bayreuth gibt es Telefone:
Hast du auch nicht vergessen, den Asparagus zu gießen ?“
- Um Viertel vor Eins in der Nacht !
Aber gib’ auch nicht zu viel Wasser !!“

Zimmermann hat die Aufnahmefähigkeit eines verstopften Abflussrohres; deshalb versuche ich erst gar nicht, ihm zu erklären, dass – oder warum – ich seine Pflanzen nicht gegossen habe. -- Mögen sie verdorren!! - Stattdessen lege ich einfach den Hörer auf und versuche,
erfolglos – wieder einzuschlafen.

Warum habe ich mich selbst so bestraft, indem ich ihn damals aus jenem Teich fischte und mich damit zu seiner Bekanntschaft verdammte....?

-- Ich erinnere mich zurück an unser erstes Zusammentreffen: Ich war auf einem Waldspaziergang, um die frische Luft zu genießen und meine Gedanken zu sammeln. – Ich näherte mich einem kleinen Waldsee, an dessen Rand ich des Öfteren schon gesessen, um neue Ideen für meine Arbeit zu erhalten.
- Gedankenverloren schritt ich dahin, als ich jäh durch ein Platschen und jammervolle Hilferufe aufgeschreckt wurde.
Ein Mensch (..dachte ich damals!) lag im nur knietiefen Wasser und schrie und zappelte in höchster Not.
`Ein Verbrechen ́, durchzuckte es mich und ich eilte dem armen Opfer (... wie ich damals fälschlicherweise dachte.- Heute weiß ich, dass i c h das Opfer wurde...!) zu Hilfe. – Ich zog ihn aus dem Teich und untersuchte ihn auf Verletzungen. Er hatte keine.

Ich dachte, ich ertrinke,“ stöhnte er jämmerlich.
....Er hatte seinen Schuh aufs Wasser gestellt und mit diesem `Schiffchen ́ gespielt...!!
Der Schuh war davon geschwommen und Zimmermann wollte ihn sich zurückholen....
Der Rest war mir ja nun bekannt. Ich verfrachtete den tropfnassen Idioten in meinen unweit von hier geparkten Wagen - ich Idiot... – und fuhr mit ihm zu mir nach Hause.-- Damit nahm das Unglück seinen Lauf .....

Den Rest der Nacht verbringe ich damit, mich über meine damalige Dummheit zu ärgern.
Die folgenden Nächte bleibt mein Telefon abgeschaltet.

Zwei Tage nach Zimmermanns Rückkehr rufe ich ihn an, um so möglicherweise seinen Besuch zu verhindern.... Bei ihm sei Alles in Ordnung; nur wäre es in der Nachbarschaft ziemlich laut geworden, erzählt er.
Auch seien erstaunlich viele Menschen auf der Straße zu sehen. Dies sei zuvor nicht der Fall gewesen. – Ich tippe mir an die Stirn und lege auf.

Wiederum zwei Tage später erhalte ich einen Anruf aus Zimmermanns Nachbarschaft.
Ich müsse sofort kommen; ansonsten würde die Menschenmenge, welche sich vor seinem Haus zusammengerottet habe, Zimmermann möglicherweise lynchen ! – Der Tierschutz sei auch bereits verständigt.
Siedendheiß fällt mir wieder ein, was ich so leichthin verdrängt hatte !
Ich mache mich auf den Weg. -- Als ich den Ort des Geschehens erreiche, erblicke ich eine Menschenmenge, welche mit erhobenen Fäusten zum Wohnzimmerfenster meines Freundes droht....

Kaum habe ich die Autotür geöffnet, höre ich zum ersten mal diese schreckenerregenden Schreie. Es überläuft mich eiskalt....

Im selben Augenblick öffnet sich die Balkontür, Zimmermann tritt auf denselben, verbeugt sich mehrmals in Richtung der empörten Zuschauer, winkt ihnen huldvoll zu und verschwindet wieder im Inneren des Hauses.
Ich stürze zur Haustür, klingle Sturm, bis mir endlich, - nach einer Ewigkeit; so erscheint es mir zumindest – geöffnet wird. - Ich durchstöbere alle Räume des Hauses; selbst den Keller. --- Nichts! Nicht das geringste Anzeichen einer gequälten Kreatur, sieht man von mir selbst einmal ab....

Im Wohnzimmer sehe ich Kopfhörer, die an einen alten Plattenspieler angeschlossen sind, auf welchem eine Caruso-Platte aufgelegt ist.
Nachdem ich etwas zur Ruhe gekommen bin, höre ich die – wie stets – unglaubliche und lächerliche Erklärung:

Zimmermann hat die empörten Rufe der Menge für Begeisterungs-Applaus gehalten und er übt für seine demnächst beginnenden Gesangsstunden.....





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