Wirtschaftskrise


*
Die fetten Jahre sind vorüber
und wer trägt daran wohl die Schuld ?
-Erspartes ist schon längst hinüber;
- zu Ende geht auch die Geduld.
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Ihr habt zuviel Erspartes, Leute !
Ihr schwächt dadurch die Konjunktur;
- noch niemals wurd’ gespart wie heute.
- Dies verhindert den Aufschwung nur !
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Zu viel’ Devis’ die Inder horten;
das gute Geld wird nun zu knapp,
nachdem’s erst aufstieg allerorten,
hängt’s fest jetzt in derWirtschaftstrapp !“
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-So tönt es aus der einen Ecke;
-verwundert staunt der einfach’ Mann.
Er spart zu seinem eig’nen Zwecke,
damit er überleben kann.
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Soll kaufen einen neuen Wagen;
erstehen eine Waschmaschin’,
bevor er füllt den hungrig’ Magen.
- Herr Meier sieht d’rin keinen Sinn.
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Der Wirtschaftsweise ihm erkläret,
daß teu’res Geld die Preise hebt.
Der Export sich d’rum nicht vermehret,
stattdessen hin zum Minus strebt.
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So liegt die Wirtschaft denn im Wehen,
weil Meier keine Güter kauft.
Ein Ende ist nicht abzusehen,
auch wenn er sich die Haare rauft.
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Frau Meier stellt die `dumme ́ Frage,
warum die War’ nicht billig wird,
wenn man’s doch weiß schon viele Tage,
Daß Teu’res großen Markt verliert.
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Die Antwort ist ein Stirnerunzeln;
Herr Meier fühlet sich beschämt
und kann nicht `mal darüber schmunzeln.
- Ihn selbst das Nichtversteh’n ja lähmt.
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Erneut der Expert’ ist zu hören:
DerArbeiter verdient zuviel;
- auch dies die Wirtschaft kann nur stören
in unserem globalen Spiel.
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Die Asiaten sind sehr rege
und billig sind sie außerdem,
so daß die ausgetret’nen Wege
uns irr’ nun führ’n im alt’ System.“
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- Noch viel mehr sagt der Wirtschaftsweise;
den armen Meier schwindelt’s schon.
Nun geht’s gar an die niedrig’ Preise
und an den überhöhten Lohn.
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Verständnislos Herr Meier lauschet;
ihn dünkt, daß Alles nun verdreht.
. So schnell der Mann die Seiten tauschet.
daß Meier garnichts mehr versteht.
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Gibt’s zuviel Geld, der Wert dann sinket,
somit wir kaufen teurer ein.
- Bei teurem Geld die Welt abwinket
und kaufen müssen wir allein.“
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Wie man es dreht und wendet immer,
dem Meier wird kein Schuh daraus.
Für ihn ist’s nur Zahlengeflimmer
im lux’riösen Armenhaus.
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Er würd’ der Politik ja helfen,
wenn er nur wüßte, wo und wie.
Doch scheint’s ein Werk von Zwerg’ und Elfen,
und Meier’n fehlt’s an Phantasie...
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Wirklich verstanden hat er wenig,
doch ahnt er, was nur kommen kann:
- - Die Zeche zahlet nicht der König,
die zahlt – wie stets – der Kleine Mann ...!
*


Aus dem Verse-Band 'Wolkenkönig'
von B. Mich. Grosch



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