Fesseln des Geistes ..?


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Moral, - gerühmt, - oftmals auch verlacht,
- ist sie die Richtschnur uns’res Leben’s ?
Hat sie uns erst zu Menschen gemacht ?
- Doch sucht oft man sie vergebens.
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Was ist Moral in uns’ren Breiten ?
Welch’ Regeln haben wir erstellt ?
- Störungen mögen wir nicht leiden
und glauben, so denkt alle Welt.
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Doch weit gefehlt ! – Wer wird’s wohl glauben,
dass anderswo dies anders ist?
Die heilig’ Ruh’ darf man dort rauben,
ohn’ dass gut’ Sitten man vergisst.
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Mit off’nem Munde laut zu essen,
was hierzuland’ undenkbar wär’,
gilt dorten kein’swegs als vermessen.
- Mit off’nem Mund schmeckt’s umso mehr !
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Betrug und kleine Diebereien
gehören gar zum Guten Ton.
Es gibt darob kein’ Reibereien:
`Beim nächsten Mal krieg’ ich dich schon ..!
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Der Schlaf, der Allen uns doch heilig,
zählt andernort’s nicht g’rade viel.
Man weckt dich auf, zu sein kurzweilig;
- sieht’s Leben eher als ein Spiel...
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Einstmals es gab auch Kannibalen;
... unmöglich für uns, zu versteh’n.
Den Preis des Menschsein’s zu bezahlen !
Zurück zum Tiere wieder geh’n ..?!
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Scheinbar warn’s Leute ohn’ Gewissen,
die in der Lag’ war’n, solch’s zu tun.
War’n sie nicht innerlich zerrissen ?
- Konnten sie nachts in Frieden ruh’n ?
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Wie würden wir wohl reagieren,
versetzt’ man uns in solch’ Kultur ?
Anfangs würd’s uns gewiss genieren;
- als Ausgestoß’ner gält' man nur !
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Verachtung würde uns bald strafen,
da wir nicht ehr’n den toten Feind,
wie tun es all’ die ander’n Braven,
- beim rituellen Schmaus vereint...
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Als unmoralisch wir dann gälten;
als Menschen ohn’ Gemeinschaftssinn,
da wir uns aus der Reihe stellten.
- Mit uns’rer Ruhe wär’s dahin.
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- Moral, - das Schwert mit den zwei Schneiden;
...scharf ist’s – schlägt ohn’ Erbarmen zu.
Frägt nicht, ob wir es mögen leiden;
- geschmiedet haben’s .. ich und du ..!
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Braucht’s dieses Schwert – ging’s nicht auch ohne ?
Wär’ Rücksichtnahm’ dann aus dem Spiel ?
Ob größ’re Freiheit uns dann lohne
oder würd’s bald uns schon zuviel ?
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-Wie wär’ ein Spiel ohn’ jeglich’ Regeln ?
Man kann sich’s vorstellen nur schwer.
Sei’s draußen oder d’rinn’ – beim Kegeln,
- man kennte keinen Sieger mehr.
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Sind Regeln fest und nicht zu ändern ?
- Die Antwort sei ein klares N e i n !
Sei’s in `nem Dorf, - in ganzen Ländern;
- nur muss man d’rob’ sich einig sein.
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So wird’s denn immer Regeln geben;
- auch wenn sie Manchem zum Verdruss.
Doch braucht man sie im täglich’ Leben,
auch wenn die Fünf `mal g’rad sein muss.
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Der Bürokrat’ kann viel erschweren,
wenn stur nach Paragraphen geht.
Vernunftes Stimm’ er will nicht hören;
- auch er in eig’ner Welt dann lebt.
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So denn verhärten sich die Fronten;
- der Menschen Geist ist nicht mehr frei.
Nicht dürfen sie, wie einst noch konnten;
- das Leben wird zum Einerlei.
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Den gold’nen Mittelweg zu finden,
Aller Bestreben dies sollt’ sein.
Das Eingefahr’ne überwinden;
- nur so gelingen kann’s allein....
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D’rum hütet euch vor Starrsinn, Leute;
doch meidet auch die Anarchie.
- Was uns noch nicht gelang bis heute,
gelingt ohn’ Aller Hilfe nie...
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(Aus dem Verseband 'Herr der Welt'
von B. Mich. Grosch)


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