Die Letzten werden die Ersten sein...



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Die Welt dünkt uns nicht stets gerecht
und manchmal wir verzweifeln mögen.
Den Anständigen geht’s oft schlecht;
scheint,daß die Götter sie betrögen.
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Dem Tunichtgut meist all’s gelingt;
kennt er doch keine Rücksichtnahme.
Das Glück auf seine Seit’ er zwingt,
ohn’ dass sein Eifer je erlahme.
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Das alte Wort von `Recht und Ehr’
scheint heute nicht mehr viel zu zählen.
Den Frommen will’s verdrießen sehr;
- muss er sich doch mit Armut quälen.
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Was einstmals wurd’ zu Recht geehrt
und hoch gehalten als ein’ Tugend.
scheint heute auf den Kopf gekehrt.
- Ein schlechtes Beispiel für die Jugend... !
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Verlacht wird heut’ der Biedermann;
- nur Affenschläue scheint zu herrschen.
Man schiebt die Braven hintenan;
- wie’s Aschenputtel wohl im Märchen
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Vernommen nur die laut’ste Stimm’,
all’s Andere bleibt ungehöret.
Der Ellbogen besiegt Benimm’;
- gewonnen hat, wer And’re störet.
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Wozu Anstand und Ehrlichkeit,
wenn diese doch kein’ Früchte tragen ?
Warum nicht sein zum Trug bereit,
- warum nicht einen Ausbruch wagen ?
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Mancher wollt’ es wohl probieren,
würd’ ihn die Angst nicht daran hindern.
Mal die and’re Seit’ studieren
und so den Groll am Leben mindern.
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Doch Gottesfurcht verhindert dies
und hält uns ab von schlechten Taten.
Wir hoffen auf das Paradies
und auf die Freuden, welch’ dort warten.
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Dann wird Alles sich verkehren
- und dies ist denn unser Trost allein:
Nichts wird dort man uns verwehren:
-- die Letzten werden die Ersten sein ...!
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(Aus dem Verseband 'Herr der Welt'
von B. Mich. Grosch)



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