Leseprobe aus dem Erwachsenen-Roman 'Mörder aus Passion'

Teil 1


- Karl berichtete nun, dass sich zur Zeit eine weitere Gefangene in seiner Gewalt befand.
Es wird allerdings noch einige Tage dauern, bevor ich sie Ihnen überlassen kann. Wie lange brauchen Sie eigentlich, um eine solche Grube auszuheben?“
Ach, Herr Liebknecht; mit dem Raupenbagger ist das eine Sache von einigen Minuten. Es ist nicht der Rede wert.“
Wie lange sind Sie abends in der Regel noch auf dem Gelände ?“
Vor 20°° Uhr verlasse ich die Deponie niemals. Ich trinke nach der Arbeit mein Bier, wasche mich und fahre erst dann mit dem Fahrrad nach Hause, wo ich dann ausgiebig dusche und esse. – Doch übernachte ich auch des Öfteren auf dem Gelände, da mich Zuhause ohnehin Niemand erwartet.
Für diesen Fall habe ich mir draußen eigens eine Dusche gebastelt. In eine Tonne, welche ich an einem Metallgestell befestigte, habe ich im Boden mit Nägeln und Hammer Löcher geschlagen und kann diese Tonne mit einem Wasserschlauch füllen, während ich darunter stehe und notdürftig mit kaltem Wasser duschen kann. Wenn Sie möchten, zeige ich Ihnen die Dusche später,“ fügte er, nicht ganz ohne Stolz, hinzu.
Karl trank noch einen Schluck und wollte dann wissen:
Wohnen Sie zur Miete, Johannes ?“
Nein,“ antwortete Der, „ich erbte von den Eltern den Hof, doch die landwirtschaftliche Arbeit liegt mir nicht mehr. Zudem gefällt es mir hier sehr gut; ich bin hier alleine und habe somit meine Ruhe. Es gibt keinen Chef und keine Kollegen, die mir auf die Nerven gehen könnten. – Ja, hier gefällt es mir sehr gut.“
Karl trank erneut einen Schluck und war für einige Sekunden mit seinen Gedanken beschäftigt. Dann wandte er sich wieder an sein Gegenüber:
Wenn ich es richtig verstanden habe, so leben Sie alleine; oder lebt noch Jemand außer Ihnen auf Ihrem Hof ?“
Nein, nein, Herr Liebknecht. Ich lebe ganz alleine und es ist mir auch ganz recht so. Wie ich ja schon bemerkte: Ich möchte meine Ruhe und meinen Frieden haben. Der Hof ist auch etwas abgelegen, so dass ich auch nicht von Nachbarn belästigt bin. Das kommt mir sehr gelegen.“
Falls Sie die Frage nicht stört, Johannes: Warum sind Sie eigentlich nicht verheiratet ?“

Versunken stierte Johannes in sein halbleeres Glas, dann leerte er es in einem Zuge und füllte es aus einer neuen Flasche, welche er aus dem Kühlschrank holte, wieder auf. Bedrückt lächelnd, blickte er Karl in die Augen:
Ich spreche nicht gerne darüber, Herr Liebknecht, doch ich denke, ich sollte bei Ihnen eine Ausnahme machen. Denn dies ist gleichzeitig der Grund, weshalb ich bei den 'Bestrafungen ́ dieser – dieser Ausländer mitmache:
Ich war verlobt und gedachte, zu heiraten. Meine Verlobte war zwei Jahre jünger als ich, Herr Liebknecht. Sie war die wahre Liebe meines Lebens.
1970 verbrachten wir unseren Urlaub in Griechenland.
Bei einem Restaurantbesuch wurde es eines Abends reichlich spät; wir hatten Beide getrunken – ich etwas über die Gebühr, Herr Liebknecht. Als wir wieder zurück in unserem Hotelzimmer waren, bemerkte ich, dass ich keine Zigaretten mehr hatte, doch fühlte ich mich zu betrunken, um nochmals nach Draußen zu gehen und welche zu besorgen.
So erbot sich Claudia – so hieß meine Verlobte – die selbst Nichtraucherin war und auch nicht allzu viel getrunken hatte, mir meine Zigaretten zu besorgen.
Ich legte mich auf das Bett, um auf ihre Rückkehr zu warten und schlief ein. Am frühen Morgen wurde ich durch ein Pochen an der Zimmertür geweckt. Zwei Polizisten und der Hotelbesitzer standen draußen und informierten mich darüber, dass Claudia in einem Krankenhaus läge.“
Johannes nahm einen weiteren Schluck aus seinem Glas und brachte sodann seine Erzählung zu Ende.
Karl erfuhr, dass man Johannes’ Verlobte vergewaltigt und dabei so schwer verletzt hatte, dass sie nach vier Tagen im Krankenhaus verstarb.

Fortsetzung morgen...



Beliebte Posts aus diesem Blog