Leseprobe aus dem Science-Fiction-Roman
'Ich, Mosra - der Überlebende von Roswell'
Teil 2


Tellus, 27. Tag, 8. Monat im Jahr 997: Toko und ich saßen auf einer Folie und blickten auf das im Wind wogende Gras. Wehmütig hatte Toko eine ganze Weile über seinen verstorbenen, menschlichen Freund geredet, um schließlich zu verstummen und nach meinen Gedanken in Bezug des menschlichen Themas zu fragen, aufgrund dessen ich gekommen war. Über den Kommunikator hatte ich Toko lediglich soweit in Kenntnis gesetzt, dass ich mit ihm über eine letzte Maßnahme zur eventuellen Rettung der Menschheit der Alten Erde reden wolle. Ich legte ihm nun meine Gedanken der schlaflosen Nacht dar:
Ich stelle mir vor, dass du nach Vorbild des künstlichen Menschen Figuren erschaffst, welche uns Xindiani darstellen. Von Wichtigkeit wäre in diesem Fall das Material, welches absolut glaubwürdig ein biologisches verkörpern müsste, um jeglichem Misstrauen bei einer Sezierung der Körper vorzubeugen. Die Figuren sollen Leichen unseres Volkes vorspiegeln, so dass du es in dieser Beziehung etwas einfacher hättest, als bei dem künstlichen Menschen, welchen du zuvor geschaffen hattest.“
Erstaunt blickte Toko mich an, so dass ich fortfuhr:
Ich hatte mir vorgestellt, dass wir einen Unfall inszenieren, in welchem die Menschen des Sperrgebiets Area 51 Teile eines ‚Raumschiffs‘ sowie mehrere Leichen von ‚Außerirdischen‘ und mich als lebendes Exemplar finden werden. Von ihrer Reaktion und ihrem darauffolgenden Handeln sollten wir dann abhängig machen, ob die Menschheit eine weitere Chance verdient oder nicht.“
Verstehend lächelte Toko.
Es lässt dir keine Ruhe, was mit der Menschheit werden soll, nicht wahr? Wir werden Überzeugungsarbeit leisten müssen im Falle Xinmuris und anderer Gleichdenkender. Doch wir wollen deinen Plan erörtern und im Detail besprechen und ihn sodann dem Rat vorlegen. Ich bin davon überzeugt, dass er auch den Skeptikern wie Xinmuri letztendlich zusagen wird.“

Den restlichen Tag verbrachten wir damit, Einzelheiten des geplanten ‚Unfalls‘ zu besprechen und philosophierten zudem über den Sinn unseres sowie das Leben der Menschen der Erde.

Xindi, 29. Tag im 8. Monat 997: Toko hatte mich nach Xindi begleitet; wir hatten unser Anliegen mit Xinmuri und weiteren Xindiani besprochen, bei welchen die größte Möglichkeit einer Ablehnung unseres Plans bestand und die Sache letztendlich dem Rat zur Beurteilung vorgelegt. Letzterer hatte zugesagt, baldmöglichst zu einer Entscheidung kommen zu wollen, sobald sichergestellt sei, dass keine berechtigten Gründe zu einer Ablehnung des Ganzen vorhanden seien.

Xindi, 16. Tag, 9. Monat 997: Der Rat war zusammengetreten, um das Ergebnis in unserer Sache zu verkünden. Da im Ende keinerlei wie auch immer gearteten Einsprüche gegen unseren Plan erhoben wurden, war das Ergebnis – wie wir auch vorausgesehen hatten – ein eindeutiges Ja zu unserer Absicht, die Menschen der Alten Erde einer letzten Prüfung zu unterziehen, bevor wir zu unserem abschließenden Urteil kämen.
Xinmuri und ich flogen mit Toko zurück nach Tellus, um ihm bei den Vorbereitungen und Planungen zur Hand zu gehen.

Tellus, 18. Tag im 9. Monat 997: Die Einzelheiten waren besprochen und ich ließ die beiden Techniker allein bei ihrer Arbeit, bei welcher ich ihnen als Navigator ohnehin nicht helfen konnte. Ich nahm einen Gleiter und fuhr ans Meer, um meinen Gedanken nachzuhängen und in der Theorie einige Details betreffs der Navigation bei dem ‚Unfall‘ des Raumschiffes durchzuspielen.
Wie würden die dortigen Militärs und die Politik wohl reagieren, wenn etwas, was sie seit geraumer Zeit den Menschen dort vorspielen und einreden wollten, wirklich geschah? Wenn sie erkennen mussten, dass es tatsächlich Wesen aus einer anderen Welt gab, deren eines nunmehr menschliche Hilfe brauchte? Würden sie sich auf ihnen innewohnende, gute Eigenschaften erinnern oder würden sie sich verhalten, wie sie es seit geraumer Zeit nur noch taten: Egoistisch, habgierig und machtbesessen? Würden sie alles tun, um dem armen, fremden Wesen, das so fern von seiner Heimat war, zu helfen, so gut sie es vermochten, indem sie nach seinen Anweisungen versuchen würden, Kontakt mit seiner Rasse herzustellen – oder würden sie alles daransetzen, dass eben gerade dies nicht geschah und versuchen, mit welchen Mitteln auch immer, Wissen aus dem Gestrandeten zu locken, um es zum eigenen Nutzen zu verwenden? Für Xinmuri und einige andere Xindiani schien die Antwort auf diese Frage klar: Die Menschen würden sich auch hier von ihrer negativen Seite erweisen und nur der Wille, Vorteile zu erlangen, würde mein Leben zumindest für einige Zeit bewahren können, wenn ich erst in den Händen der Menschen war.
Denn genau dies war geplant. Ich würde mit drei oder vier künstlichen Xindiani einen Unfall simulieren, wobei die ‚Puppen‘ die Leichen, ich jedoch den einzigen Überlebenden darstellen würde. Aufgrund eines Implantats, welches in der Lage war, außer meiner Position auch meinen Zustand und jede Unterhaltung, die ich führte, wiederzugeben, wäre ich stets überwacht und könnte im Notfall befreit werden.
Meine ‚Befreiung‘ würde auch dann stattfinden, wenn sich keine negativen Aspekte ergeben sollten, doch wäre dies dann um einen längeren Zeitraum nach hinten verschoben. Wir hatten die Möglichkeit, überfallartig über das Areal hereinzubrechen und binnen Sekunden jegliches Lebewesen zu betäuben. Diese Möglichkeit war übrigens für den Rat die Grundvoraussetzung zur Genehmigung dieser Mission gewesen. - Es war zudem geplant, für einige Tage vor dem Ereignis Präsenz über dem Gebiet zu zeigen, so dass bereits mit unbekannten fliegenden Objekten zu rechnen war, bevor der ‚Unfall‘ zum Tragen kommen sollte. Was ich den Menschen im Einzelnen erzählen würde, würde sich aus der jeweiligen Situation ergeben und konnte schlecht vorher geplant werden, bis freilich auf grundlegende Dinge, welche wir vorab noch besprechen würden.

Tellus, 9. Tag, 12. Monat, 997: Die beiden Techniker Toko und Xinmuri hatten hervorragende Arbeit geleistet. Fünf ‚Leichen‘, von welchen die eine wie ein Spiegelbild meines Äußeren schien, waren vollendet und lagen zur Besichtigung für mich bereit. Die Techniker versicherten mir, dass die Leichen im Inneren ebenso glaubwürdig aufgebaut seien, als sie es von ihrem äußeren Erscheinungsbild her waren. Besonders faszinierte mich mein Ebenbild, welches dazu dienen sollte, nach meiner endlichen ‚Befreiung‘ als Austausch für meine echte Person an Ort und Stelle als meine Leiche zurückzubleiben.

Xindi, 22. Tag, 12. Monat im Jahre 997: Die Vorbereitungen waren sämtlich abgeschlossen und die Gemeinschaft der Xindiani sowie der Rat hatten den Plänen zugestimmt und ein Jeder sich mit seinen kommenden Aufgaben vertraut gemacht. Die gesamte Flotte an Zubringern, Shuttles sowie die beiden Mutterschiffe würden sich für mehrere Tage in der Nacht der Erde sehen lassen, so dass die Bevölkerung schon bald über die seltsamen Lichter, die sich am Himmel über dem Sperrgebiet sehen ließen, unterrichtet sein würde.

Fortsetzung folgt....

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